Parodontitis dauerhaft stoppen

Durch chronische Zahnbetterkrankungen (Parodontopathien) gehen die meisten Zähne verloren. Dabei hat jeder Patient ein unterschiedliches Risiko, an einer Zahnbetterkrankung zu erkranken. Ab dem 40. Lebensjahr leiden 75% aller Westeuropäer an irgendeiner Form einer chronischen parodontalen Erkrankung. Im Vergleich dazu liegt das kumulierte Risiko in Asien bei 95% ab dem 35. Lebensjahr. Seltene Formen der Parodontitis führen schon bei jungen Erwachsenen zu Zahnverlust. 

 

Eine chronische Zahnbetterkrankung löst in aller Regel keine Schmerzen aus. Die Annahme, dass erst dann etwas unternommen werden sollte, wenn es „weh tut“, ist ein völliger Fehlschluss. Häufig ist es dann an diesem Zeitpunkt bereits zu spät. Durch adäquate individuelle Risikoeinschätzung, permanente Prophylaxe, Früherkennung und nachhaltiges Therapieren, eingebunden in ein wissenschaftlich gestütztes Behandlungskonzept, kann dem Zahnverlust oftmals vorbeugt werden.

Was ist Parodontitis?

Bei der so genannten Parodontitis handelt es sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates. In Bezug auf deren Auftreten kann man von einem epidemischen Ausmaß sprechen: Die Parodontitis gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen. Verursacher sind Bakterien und die Entzündungsreaktion des Körpers. Durch eine chronische Entzündung wird der Zahnhalteapparat und in der weiteren Konsequenz Kieferknochen zerstört, wodurch es bei Fortschreiten der Erkrankung zu Zahnverlust kommt. 

 

Ausgangspunkt einer Parodontitis ist stets eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Diese ist für den Laien nur schwer zu erkennen, macht sich aber am ehesten bemerkbar durch eine erhöhte Neigung zu Zahnfleischbluten, Schwellung der Gingiva und bakterielle Verfärbungen an Zahnoberflächen.
Auf  Basis der Gingivitis kann sich dann im Laufe der Zeit eine Parodontitis entwickeln, ohne dass weiterhin deutliche Anzeichen wahrnehmbar wären. Neben gelegentlich blutendem Zahnfleisch treten eventuell folgende Symptome auf: Mundgeruch, Änderung der Zahnstellung, schwarze Dreiecke, wo früher eine Zahnfleischpapille war, und gelockerte Zähne. 

 

Parodontitis wird häufig erst im Alter von 40 oder 50 Jahren entdeckt, obwohl die ersten Krankheitszeichen durch den Zahnarzt früher feststellbar sind.

Die Ursachen einer Parodontitis

Die erste Ursache für eine Parodontitis ist immer eine quantitative Zunahme von Bakterien in Form der Zahnbeläge (Plaque). Ohne Beläge kann weder eine Gingivitis noch eine Parodontitis entstehen. Wird der anfänglich weiche Belag bei der Zahnpflege nicht entfernt, verfestigt er sich durch Einlagerung von Mineralien: Es entsteht Zahnstein. 

 

Damit ist eine Grundvoraussetzung gegeben für das Wachstum der Plaque in Richtung Zahnwurzel. Zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch bildet sich ein Spalt: die Zahnfleischtasche, ein idealer Lebensraum für Bakterien. 

 

So genannte Endotoxine, Gifte aus dem Stoffwechsel der Bakterien, gelangen in das Zahnfleisch, wo eine Reaktion der körpereigenen Abwehr (Infektionsabwehr) ausgelöst wird. Dabei wird der Schweregrad und Verlauf der Zahnbetterkrankungen bestimmt von Menge und Art der auslösenden Bakterien, der individuellen Stärke der Abwehrkräfte des Patienten und bestimmten Risikofaktoren.

 

Je aggressiver die Bakterien und je schwächer die Abwehrlage des Körpers ist, desto früher und stärker tritt die Erkrankung auf. Dabei kann die Infektionsabwehr durch äußere Faktoren nachhaltig geschwächt werden, wie zum Beispiel durch Rauchen. 

 

Darüber hinaus kann die Einnahme von bestimmten Medikamenten (blutdrucksenkende, gefäßerweiternde Mittel, Immunpräparate, Antikonvulsiva) die entzündliche Reaktion auf die Ansammlung der Plaque in der Zahnfleischtasche so verändern, dass jetzt deutlich sichtbare Zahnfleischwucherungen entstehen. Immer gilt jedoch: Ohne Beläge kann weder eine Gingivitis noch eine Parodontitis entstehen. 

Risikofaktoren

Es gibt Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Parodontitis erhöhen: Diabetes, Stress, Rauchen und deren Kombination. Raucher erkranken deutlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher. Generell muss festgestellt werden, dass bei Rauchern Weichgewebs- und Knochentransplantate sowie Implantate schlechter einheilen als bei Nichtrauchern.
Der Verlauf der Parodontitis ist bei Rauchern deutlich schwerer: Der Gewebeabbau erfolgt wesentlich schneller. Raucher sprechen auf die Behandlung der Parodontitis schlechter an als Nichtraucher. Es gibt Parodontitisfälle, die trotz Behandlung nicht ausheilen. Bei mehr als 90% dieser Fälle handelt es sich um Raucher.

Wie wird eine Parodontitis behandelt?

Eine bestehende Parodontitis kann nur durch eine systematische Behandlung zum Stillstand gebracht werden, die auf  die vollständige Beseitigung der verursachenden bakteriellen Plaque abzielt. In der Regel folgt die Systematik der Behandlung folgenden Schritten:

  • Initial- oder Hygienephase
    Zunächst werden von den Zähnen alle weichen Beläge und Auflagerungen entfernt. Je nach Ausgangssituation sind für diese Maßnahmen mehrere Termine notwendig. Anschließend werden alle erreichbaren harten Auflagerungen und bakteriellen Beläge von den Wurzeloberflächen und aus den Zahnfleischtaschen entfernt. Dies ist bis maximal 5mm Taschentiefe relativ (!) sicher zu erzielen. Durch diese erste Hygienephase wird die Bakterienmenge verringert und die Entzündung geht zurück. 
  • Antibiotikatherapie (und Alternativen)
    In bestimmten Fällen kann der Einsatz von Antibiotika angezeigt sein, um besonders aggressive Bakterien abzutöten. Grundlage für die richtige antibiotische Strategie ist eine molekularbiologische Diagnostik, ggf. in Kombination mit einem Antibiogramm.
    Alternativen zur Antibiotikatherapie (z.B. wegen Unverträglichkeit, Überempfindlichkeit oder Resistenzbildung) ist der Einsatz spezifischer Aromen, auf die parodontal pathogene Keime sensibel reagieren. Diese Aromen werden mit Trägermedien in die Zahnfleischtaschen appliziert und wirken lokal. In Kombination dazu kann das Immunsystem spezifisch stimuliert werden durch autologe Vaccination (Parovaccin). 
  • erneute Bewertung
    Nach einigen Wochen erfolgt eine erneute Beurteilung (Re-evaluation) Ihres Zahnfleisches. Wenn die bisherige Behandlung nicht ausgereicht hat, um die Zahnfleischtaschen zu beseitigen, müssen weiterführende Maßnahmen in Erwägung gezogen werden. Dazu gehört die korrektive (chirurgische) Phase.
  • korrektive (chirurgische) Phase
    In manchen Fällen ist ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig, um Zahnsteinreste und Bakterien, die in schwer zugänglichen Zahnfleischtaschen und Wurzelgabelungen verblieben sind, zu entfernen. Hierbei werden in örtlicher Betäubung die Wurzeloberflächen unter Sicht gereinigt, um möglichst jeden Bakterienschlupfwinkel zu erfassen. Bei größerem Knochenverlust besteht dabei außerdem die Möglichkeit, diesen durch spezielle Behandlungsmethoden teilweise zu reparieren, im günstigsten Fall auch zu regenerieren.
  • Nachsorge (unterstützende Parodontitis-Therapie: Recall):
  • Der dauerhafte Erfolg einer Parodontalbehandlung hängt einerseits von der Patientenmitarbeit bei der täglichen Mundhygiene und andererseits von der regelmäßigen Betreuung durch das zahnärztliche Praxisteam ab. Im Rahmen des Recalls werden Zähne und Zahnfleisch kontrolliert, die Tiefe der Zahnfleischtaschen ausgemessen und die Zähne professionell gereinigt. Die Häufigkeit der Nachsorgetermine richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem individuellen Erkrankungsrisiko des Patienten.