Knochenaufbau

Der Begriff „Augmentation“ bezeichnet in der Medizin all diejenigen Maßnahmen, die zunächst einer Vergrößerung gelten. In der Zahnmedizin steht „Augmentation“ für verloren gegangenes Lagergewebe, Knochen und/oder Weichgewebe (Link: Parodontalplastik).

 

Um ein Implantat fest und tief im Knochen verankern zu können, müssen Grundvoraussetzungen für eine Implantation erfüllt sein. Ohne ausreichendes Knochen- und Weichgewebsvolumen ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Implantation (vor allen Dingen dann, wenn diese im ästhetischen Bereich stattfinden soll) gering. Die dimensionalen Mindestvoraussetzungen liegen dabei für die Breite des zukünftigen Lagergewebes, das das Implantat aufnehmen soll, bei 6 bis 7 mm, die Höhe liegt bei ca. 10 mm.

 

Sind diese Dimensionen nicht gegeben, so kann ich versuchen, den verloren gegangenen Knochen aufzubauen. Je nach Art der Defektklasse können dann prognostische Aussagen getroffen werden. Ebenso abhängig von der Defektcharakteristik ist der Einsatz von Materialien, die zur Augmentation in Betracht kommen. 

Einsatz von Eigenknochen

Körpereigener, autologer Knochen, der aus anderen Kiefer- oder Körperbereichen entnommen wird, kann eine Option für die Augmentation darstellen, ist aber nicht unbedingt „die erste Wahl“, wie es immer beschrieben wird. Die Tatsache, dass eine weitere Operationsstelle eröffnet werden muss, um für größere Defekte ausreichend Knochenmaterial generieren zu können, ist für den Patienten zunächst einmal eine weitere Strapaze, vor allen Dingen dann, wenn der Knochen aus der Hüfte entnommen werden soll. 

Einsatz von Knochenersatzmaterialien

Eine weitere Option ist der Einsatz von Knochenersatzmaterialien (alloplastischen Augmentaten), die – wie der Name sagt – den Vorteil aufweisen, dass auf eine autologe Transplantatentnahme verzichtet werden kann. Ich kann meinen Patienten eine Behandlungsmethode anbieten, mit der die Transplantation ganzer Blöcke von Knochenersatzmaterial in einer extrem verkürzten OP-Zeit durchgeführt werden kann (erstmalige Präsentation meiner OP-Methode auf dem Materialise World Congress, Wien, 2007). 

 

Das Knochenersatzmaterial ist dem menschlichen Knochen ähnlich. Es ist synthetischer Natur oder besteht aus natürlichem Gewebe (Beispiel: Algen, Tierknochen). Das eingebrachte alloplastische Material dient dabei wie eine Leitstruktur, über die die Knochenneubildung angeregt wird. Dabei wird im Laufe der Zeit das Knochenersatzmaterial mit eingebaut und/oder kontinuierlich abgebaut und durch körpereigenen Knochen ersetzt. 

 

Abhängig vom vorhandenen knöchernen Restvolumen können Augmentation und Implantation in einer Sitzung durchgeführt werden. Im Zweifel ist ein so genanntes „zweizeitiges Verfahren“ angezeigt, wobei zunächst das knöcherne Implantatlager aufgebaut wird und nach ca. 4 bis 6 Monaten die Implantation erfolgt.

Wundheilungsbeschleuniger

Durch den Einsatz von Wundheilungsbeschleunigern, wie etwa das PRP „platelt rich plasma“, ein Thrombozytenkonzentrat, das in Verbindung mit körpereigenem Thrombin mit dem Augmentat gemischt und/oder topisch im Operationsbereich appliziert wird, kann die Wundheilung verbessert werden. Das wirkt sich vor allen Dingen in der frühen Phase der Wundheilung aus, wo sich zur Versorgung des Augmentats und für das Einsprossen von neuen Knochenzellen kleine Blutgefäße ausbilden müssen (Neo-Angiogenese). Allerdings wird die endgültige Knochenqualität durch PRP nicht verbessert; ebenso wenig verkürzt sich die gesamte (!) Wundheilzeit, die durch die Natur vorgegeben ist. 
 
Gleichwohl hat PRP eine nachgewiesene bakterizide Wirkung auf Staphylokokken. Das ist eine auf der Haut vorkommende Bakterienart, die in der Mundhöhle – wenn inokkuliert – zu heftigen Entzündungsreaktionen führen kann. Ein Grund für die verbesserte Wundheilung mit PRP ist auch diese sehr spezifische Wirkung. 

 

Ich habe in den letzten zehn Jahren die Kombination PRP und autologes Thrombin erfolgreich und zur vollsten Patientenzufriedenheit angewendet, insbesondere in den Fällen, wo die Wundheilung systemisch kompromittiert war (z.B. Diabetes Typ II).